Pressemitteilung – ELER-Streuobstaktion 2023–2027
Stainz bei Straden, 26.08.2026
Streuobstwiesen sind wertvolle Kulturlandschaften, Oasen der Artenvielfalt und Teil unserer Identität im Steirischen Vulkanland. Doch der historische Bestand schrumpft drastisch. Der Verein „Lebende Erde im Vulkanland“ setzt sich aktiv gegen diesen Verlust ein: Mit der ELER-Streuobstaktion 2023–2027 unterstützen wir Grundbesitzerinnen und Grundbesitzer kostenlos mit Bäumen, Schutzmaterial, Fachwissen und Pflegekursen.
Verlust der Vielfalt: Warum Streuobst unsere Hilfe braucht
Einst prägten unzählige Streuobstbäume jeden Hang und reichten bis in die Täler des Steirischen Vulkanlands. Auf Nachkriegsbildern ist diese historische Kulturlandschaft noch eindrucksvoll zu sehen. Damals lebte ein Großteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft und jeder Betrieb war auf die körpereigene „Zuckerquelle“ angewiesen.
Heute sind 95 % dieser Streuobstflächen verschwunden – und mit ihnen alte, wertvolle Sorten. Von ursprünglich 6.000 Apfel- und 2.000 Birnensorten in Österreich sind in unseren Gärten nur noch knapp 10 % erhalten. Damit gingen jahrhundertealte Züchtungen und wertvolle genetische Vielfalt unwiederbringlich verloren.
Zusätzlich fallen jedes Jahr tausende weitere Bäume. Die Pflege des Grünlandes ist aufwendig und der Klimawandel stellt eine enorme Belastung dar: Trockenheit und Hitze setzen den Obstbäumen stark zu – nur gut gepflegte Bestände überstehen diese Extremwetterlagen. Doch nicht nur die Sommerhitze war heuer ein Problem: Bereits im Frühjahr sorgten schwerer Nassschnee für Astbrüche und zwei außerordentlich starke Stürme für zusätzliche Schäden.
Alte Bäume für die Zukunft
Bei guter Pflege erreichen Streuobstbäume ein Alter von 100 bis 150 Jahren, Birnen werden oft noch älter. Als Kultursorten laufen sie jedoch ohne menschliche Pflege Gefahr, vom Wald verdrängt zu werden.
Auch die Unterlage bestimmt die Lebensdauer: Raschwüchsige Unterlagen tragen zwar schon nach 3 bis 4 Jahren erste Früchte, sterben aber meist nach 20 bis 30 Jahren ab oder werden rasch Opfer von Schädlingen und Pilzbefall. Langsamwüchsige Unterlagen benötigen zwar bis zu 10 Jahre bis zum ersten Ertrag, erreichen dafür aber ein weitaus höheres Alter und bilden stabile Kronen.
Unser Engagement: Kostenlose Bäume und Betreuung
Um diesem Rückgang entgegenzuwirken, engagiert sich unser Verein bereits seit 2013 für die Aufforstung heimischer Streuobstbestände. Über Förderungen stellen wir kostenlos regionales Streuobst samt Schutzmaterial zur Verfügung. Zweimal jährlich geben wir Bäume aus, die direkt in heimischen Baumschulen gezogen wurden.
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Anmeldung & Verfügbarkeit: Die Anmeldung erfolgt direkt über blauracke.at – ELER-Streuobst-Aktion unter Angabe der Grundstücksdaten. Für die aktuelle Förderperiode bis 2027 stehen noch 1.000 Bäume für Europaschutzgebiete im Bezirk Südoststeiermark zur Verfügung.
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Betreuung außerhalb von Schutzgebieten: Auch Grundbesitzer außerhalb der Schutzgebiete werden von uns betreut (derzeit jedoch leider ohne Förderung).
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Sorten-Monitoring: Das Fachgerechte Setzen der Bäume wird von uns nachgeprüft. Gleichzeitig erfassen wir wertvolle Daten zur Sortenverteilung im Bezirk, um gezielt zu erforschen, welche Sorten dem Klimawandel am besten trotzen.
Bewusstseinsbildung, Sortentage und Schnittkurse
Unsere Arbeit geht weit über das Pflanzen hinaus:
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Streuobsttage an Schulen: Wir fördern das Bewusstsein der Jugend. Die Schülerinnen und Schüler lernen, woher das Obst kommt, wie verschiedene Sorten und Produkte schmecken und welch vielfältiges Leben auf einem Streuobstast herrscht.
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Jährlicher Sortentag: Beim Naturschutzzentrum in Stainz bei Straden 80 präsentieren wir einmal im Jahr 150 bis 200 Sorten als Schauobst. Besucherinnen und Besucher können dort auch ihr unbekanntes Gartenobst bestimmen lassen (bitte mindestens 6 bis 8 Früchte eines Baumes mitbringen, da die Fruchtvarianz sehr breit ist).
Siehe Streuobstsortentag 2026 -
Baumschnittkurse: Im Frühjahr und Sommer leiten wir Praxis-Kurse zum Schnitt von jungen und alten Streuobstbäumen. So stellen wir sicher, dass die Bäume fachgerecht gepflegt werden und ein hohes Alter erreichen können.
Finanzielle Pflegeförderung (ÖPUL)
Die Pflege von Obstbäumen auf landwirtschaftlichen Flächen wird seit einigen Jahren auch finanziell unterstützt:
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Förderhöhe: Jeder Obstbaum mit einem Kronendurchmesser von mehr als 2 Metern erhält eine jährliche Pflegeförderung von € 12,– (Voraussetzung ist die Teilnahme am ÖPUL-Programm).
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Umfang & Abstand: Bis zu 80 Bäume je Hektar sind förderfähig. Der Pflanzabstand sollte mindestens 10, besser 12 Meter betragen, damit eine maschinelle Bearbeitung des Grünlandes möglich bleibt.
Praktischer Naturschutz aus einer Hand
Der Verein Lebende Erde im Vulkanland (Blaurackenverein) bewirtschaftet derzeit selbst 62 Streuobstgärten mit über 1.700 Obstbäumen. Als anerkannter Biobetrieb können wir auch das anfallende Pressobst erfolgreich verarbeiten und vermarkten.